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illustration and design of the novel "Die Stunde der Spezialisten" by Barbara Zoeke,
published by "Die Andere Bibliothek"

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some photos of the printed book, copyright by BANK™
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Blick hinter die Kulissen: Die Stunde der Spezialisten


Der Roman "Stunde der Spezialisten" erzählt von der Euthanasie an Zivilisten im 3. Reich. Patienten in Krankenhäusern wurden systematisch ermordet, um damit mehr freie Betten für verletzte Soldaten zur Verfügung stellen zu können.

Bei der Gestaltung der Buchschlaufe stand die Frage im Vordergrund, wie ein so schreckliche Kapitel der deutschen Geschichte sich visualisieren lässt.
Normalerweise besteht bei der Entwicklung eines Buchcovers der Vorteil darin, dass man sich vom Text inspirieren lassen kann. Die Geschichte bietet zahlreiche Anregungen für Bildideen, so entwickeln sich die Skizzen häufig aus interessanten Motiven im Roman. Davon gab es auch einige in diesem Buch, viele davon wurden im Skizzenbuch durchgespielt, aber keine dieser Entwürfe schaffte es auf die Buchschlaufe, da sie alle zu negativ konnotiert waren.

Ein Entwurf war angelehnt an Bildern des Volksliedes "Die Vogelhochzeit", gezeichnet in der Tradition klassischer Kinderbuchillustrationen. Diese Idee basierte auf der Codesprache der Ärzte für die verschiedenen Arbeitsschritte der Tötungsmaschinerie, in der der Begriff "Vogelhochzeit" für Ausstellung der Totenscheine steht. Dieses Konzept wurde ebenfalls verworfen.

So fiel nach langer Diskussion die Entscheidung auf ein neutrales Portrait von Dr. Friedel Lerbe, SS-Offizier, Leiter einer „Heilanstalt“ und Schlüsselfigur im NS-"Euthanasie"-Programm. Er wird in Uniform und Arztkittel gezeigt, zusammen mit den Instrumenten der Phrenologie.

Auch stellte sich die Frage, welcher Stil sich für die Illustration eignet. Die nüchterne und dokumentarische Anmutung der Fotocollage schien für einen Roman über die deutsche Geschichte eine gute Wahl zu sein.

Wichtiges Gestaltungselement im Buch sind die Formularblätter, die im Titel und den Kapitel aufgegriffen werden. Sie stehen für die Karteikarten der Patienten, in denen der Krankheitsverlauf und die Entscheidung über Leben und Tod eingetragen wurden, aber sie symbolisieren auch die Bürokratie, die hinter der systematischen Ermordung steht. Die Verwendung der Fraktur-Schrift ist von der Gestaltung damaliger Krankenakten inspiriert.

Die gesamte Buchgestaltung ist in Zusammenarbeit mit Katrin Jacobsen entstanden, die mich inhaltlich ebenso hervorragend beraten hat wie bei der Gestaltung der Typografie und Auswahl der Materialien.

Der Roman erzählt auch von ein paar liebenswerten Patienten mit wunderlichen Marotten, die im Text poetisch beschrieben wurden. So lesen wir beispielsweise über einen Dr. Carl Hohein, der einst als Studienrat Latein und Geschichte unterrichtete, bis er anfing Stimmen zu hören und begann, eine endlose Litanei auf die Farbe Schwarz zu schreiben.

Das Motiv auf der Rückseite ist inspiriert von diesem Patienten und seiner Litanei auf die Farbe Schwarz. Ein schönes poetisches Motiv, das auch gleichzeitig als Bild für den ganzen Roman verstanden werden kann.
some sketches
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experiments designing the face
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